::Kapitel 28::
"Du blutest da.", sagte er mit emotionsloser Stimme und zeigte auf das fette Loch anmeinem Knie das ich mir wohl grade bei meiner 'akrobatischen Meisterleistung' zugezogen hatte. DieHose war zerfetzt und das aufgescheuerte Knie darunter war blutig und voll mit Dreck.
"Uhm... Ja,ich..."
"Brauchst du ein Pflaster?"
Ich nickte nur und ein paar Augenblicke später stand ich ihnseinem Wohnzimmer und er suchte in der Küche im erste Hilfe Kasten nach einem Pflaster.
"D-du hasteben gut gespielt.", sagte ich um die peinliche Stille zu brechen.
"Danke.", antwortete er. "Hab einpaar Preise gewonnen."
Ich lachte gekünstelt. "Jaah... Google, weißt du noch?"
Jetzt kam er miteiner kleinen, weißen Sprühflasche und einem weißen Pflaster wieder ins Wohnzimmer.
"Weiß ichnoch.", antwortete er und kniete sich vor mich. Dann entfernte er den Deckel von der Flasche undschüttelte sie. "Das kann ein bisschen brennen. Ist Desenfektionsspray."
Ich biss die Zähneaufeinander und nickte. "Hey, das mit gestern Abend..."
Aber er unterbrach mich schon wieder."Spar's dir. Du willst mich nicht in deinem Leben, also werde ich mich nicht aufdrängen."
Dann zoger die Plastikstreifen des Pflasters ab und klebte es auf mein Knie.
Jetzt wusste ich gar nicht mehrwas ich sagen sollte. "Uhm... Ja, also..."
Nick stand auf und schaute mich durchdringend an. "Warumstandst du eigentlich eben vor meinem Fenster?"
Ich spürte wie mir das Blut in die Wangen schoss..."N-nur so."
"Na dann...", er ging zur Tür und hielt sie auf. "Bye Jonah."
Ich ging raus und drehtemich dann nochmal kurz um. "Bye Nick."
Aber die Tür war schon zu.
[Nick]
Ich ließ mich wiederauf den Klavier-Hocker fallen und seufzte. Obwohl ich alles mögliche versuchte um mich dagegen zustreuben konnte ich es einfach nicht verneinen.
Ich war so verknallt in Jonah wie ein 9.Klässler inalle Mitglieder des Cheerleader-Teams.
ARGH! Frustriert schlug ich auf den Hocker und gig dann nochoben in mein Zimmer um 'Hausaufgaben zu machen'.
Definition von Hausaufgaben machen: Da sitzen undversuchen etwas auf die Reihe zu kriegen und nebenbei versuchen Jonah so gut es geht vomSchreibtisch aus zu beobachen.
Erbärmlich, ich weiß.
[Jonah]
Ich war so dumm. So dumm, dumm,DUMM!
Auf dem Weg nach oben in mein Zimmer schmiss ich eine Blumenvase um und trat gegen die Komode.Dann knallte ich die Tür zu und ließ mich heulend auf mein Bett fallen. Warum heulte icheigentlich in letzter Zeit andauernd? Hatte ich doch früher auch nie. Aber Nick hatte hier sowiesoalles durcheinander gebracht. Tauchte hier auf und... Ich schlug auf mein Bett und vergrub meinGesicht im Kissen. Dann dachte ich daran was heute vor einem Jahr war. Was... Heute gewesen wärewenn ich damals nicht diese Entscheidung getroffen hätte. Vielleicht war es die falsche gewesen.Vielleicht wäre ich jetzt glücklich wenn ich mich anders entschieden hätte.
Und mit dem Gedankenstand ich auf und ging zu meiner Komode. Öffnete sie. Und holte die kleine silberne Rasierklingeunter meiner Unterwäsche hervor.
[Nick]
Was zur Hölle..? Jonah saß im Schneidersitz auf ihremBett und wurde von Schluchzern geschüttelt. Sie hielt irgendetwas kleines Spitzes in der Handund... Scheiße, das war eine Rasierklinge! Wollte die sich etwa umbringen?
Ich sprang auf undöffnete mein Fenster. "JONAH!"
Sie sah hoch und mich mit ihren verweinten Augen an. Dann weinte sienoch ein bisschen mehr.
"HÖR AUF MIT DEM SCHEISS!", schrie ich und rannte die Treppe runter, ausder Haustür und rüber zu ihrem Haus. Zum Glück war die Tür nicht abgeschlossen und ich raste dieTreppe hoch in ihr Zimmer.
Jonah sah mich mit ängstlichem Gesichtsausdruck an und ich sah wie dieHand in der sie die Klinge hielt leicht zitterte. Sofort riss ich sie an ihrem Arm hoch. "GIB MIRDAS!", schrie ich sie an.
Jetzt begann sie nur noch mehr zu zittern.
"WAS SOLL DAS DENN? WARUMMACHST DU DAS?"
Sie sah mich immer noch nur an ohne ein einziges Wort von sich zu geben.
"Ist eswegen mir?", jetzt wurde meine Stimme leiser und Jonah nickte kaum merklich.
"Gott, ganz im ErnstJonah, du bist doch nicht ganz richtig im Kopf! Wenn ich mit die zusammen sein will ekelst du michweg und wenn ich dich in Ruhe lass ritzt di dir die Arme auf!"
Dann nahm ich sie in die Arme undJonah weinte dort weiter.
"Shht...", murmelte ich und streichelte sie über den Rücken. "Hörst dujetzt endlich auf mich dauernd aus deinem Leben schubsen zu wollen?", flüsterte ich leise.
Sienickte schluchzend.
"Versprichst du's mir?"
Sie nickte wieder und ich hielt sie noch ein bisschenfester.
Dann schaute sie mich an und murmelte mit heißerer Stimme. "Kann ich dir was sagenNick?"
Ich nickte. "Natürlich."
"I-ich...", jetzt begann sie wieder zu schluchzen. "D-das mit derP-party war nicht a-alles, da g-gibt es noch mehr..."
"Was denn?", fragte ich und hielt die Luftan.
"Nick, i-ich... Ich hab jemanden umgebracht."
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